Die Makrolage beschreibt die Stadt oder Region, in der eine Immobilie liegt: Bevölkerungsentwicklung, Wirtschaftskraft, Arbeitsmarkt, Infrastruktur. Die Mikrolage beschreibt das direkte Umfeld: Straße, Nachbarschaft, Lärm, Wege zu Haltestelle, Einkauf, Schule und Grün. Für eine vermietete Immobilie entscheidet die Makrolage darüber, ob es langfristig genug Mieter gibt, die Mikrolage darüber, wie leicht und zu welcher Miete gerade diese Wohnung vermietbar ist.
Die Makrolage: Gibt es hier in zehn Jahren noch Mieter?
Bei der Makrolage geht es um Trends, die Sie als Einzelner nicht beeinflussen können. Prüfen Sie vor allem:
- die Bevölkerungsentwicklung der vergangenen Jahre und die Vorausberechnung der Statistikämter,
- den Arbeitsmarkt: große Arbeitgeber, Branchenmix, Abhängigkeit von einem einzigen Unternehmen,
- die Verkehrsanbindung an größere Zentren,
- Hochschulen, Kliniken, Verwaltung als stabile Nachfragequellen,
- die Neubautätigkeit, denn viel neues Angebot kann die Vermietung älterer Bestände erschweren.
Eine wachsende Region senkt das Leerstandsrisiko, macht die Objekte aber meist auch teurer. In schrumpfenden Regionen wirken Kaufpreise und Renditen verlockend, das Risiko liegt dann im Leerstand und in sinkenden Werten. Das spiegelt sich typischerweise im Kaufpreisfaktor wider.
Die Mikrolage: Wird gerade diese Wohnung gesucht?
Innerhalb derselben Stadt können zwei Straßen weit auseinanderliegen. Hier zählen die Dinge, die Mieter bei der Besichtigung bemerken:
Lärm durch Hauptstraße, Bahnlinie oder Gewerbe. Die Entfernung zur nächsten Haltestelle und deren Takt. Einkaufsmöglichkeiten zu Fuß. Kitas und Schulen, wenn Sie an Familien vermieten wollen. Parks und Grünflächen. Parkplatzsituation. Das Erscheinungsbild der Nachbarhäuser. Geplante Bauprojekte in direkter Nähe, die vorübergehend stören oder dauerhaft aufwerten können.
Eine Mikrolage ist nicht absolut gut oder schlecht, sondern passt zu einer Zielgruppe. Eine Einzimmerwohnung nahe der Universität braucht keine Grundschule um die Ecke, eine Vierzimmerwohnung schon eher.
Wie Sie eine Lage selbst prüfen
Am Schreibtisch. Viele Kommunen veröffentlichen Statistikberichte zu Stadtteilen und Bebauungspläne. Lärmkarten nach der EU-Umgebungslärmrichtlinie sind für größere Städte und Hauptverkehrswege öffentlich einsehbar. Kartendienste zeigen Wege und Nahverkehrslinien. Inserate in der Umgebung geben einen Eindruck, welche Mieten verlangt werden und wie lange Anzeigen online bleiben.
Vor Ort. Gehen Sie die Straße zu Fuß ab, einmal tagsüber an einem Werktag und einmal am Abend oder Wochenende. Achten Sie auf Leerstand in Erdgeschossläden, Zustand der Nachbarhäuser, Verkehrsaufkommen. Gehen Sie den Weg zur Haltestelle. Ein Gespräch mit Nachbarn oder Geschäftsleuten verrät oft mehr als jede Statistik.
Im Gebäude. Die Lage im Haus gehört streng genommen nicht zur Mikrolage, beeinflusst die Vermietbarkeit aber ebenso: Etage, Ausrichtung, Blick, Licht, Erdgeschoss zur Straße oder zum Hof.
Typische Fehleinschätzungen
Viele Anleger übertragen ihren eigenen Geschmack auf die Mieter. Eine ruhige Randlage, in der Sie selbst gern wohnen würden, ist für Studierende uninteressant. Umgekehrt wird ein belebtes Viertel, das Ihnen zu laut wäre, von einer anderen Zielgruppe gezielt gesucht.
Ein zweiter Fehler ist es, eine angekündigte Aufwertung bereits einzupreisen. Geplante Bahnstrecken oder Quartiersentwicklungen verzögern sich oft oder kommen anders. Kaufen Sie eine Lage für das, was sie heute ist, und betrachten Sie mögliche Verbesserungen als Zugabe.
Ein dritter Fehler betrifft die Entfernung. Wer eine Wohnung weit weg vom eigenen Wohnort kauft, weil die Zahlen dort besser aussehen, unterschätzt oft, wie schwer es ist, eine Lage aus der Ferne zu beurteilen und bei Problemen schnell vor Ort zu sein. Das spricht nicht gegen eine entfernte Kapitalanlage, verlangt aber eine verlässliche Verwaltung und eine gründlichere Prüfung vor dem Kauf.
Wie die Lage in Ihre Rechnung eingeht
Eine schwächere Lage verlangt einen höheren Ansatz für Mietausfall und eine vorsichtigere Mietannahme. Eine starke Lage rechtfertigt keinen beliebigen Preis, senkt aber das Vermietungsrisiko. Wägen Sie beides ab, bevor Sie die Kennzahlen verschiedener Städte direkt nebeneinanderstellen.
Die Kriterien sind allgemein beschrieben. Sie ersetzen keine Anlage- oder Finanzierungsberatung und keine eigene Prüfung des konkreten Standorts.